Herr der Ringe – Aragorn’s Quest

Im Oktober bringt Warner für (wii, DS und PS3) ein neues Herr der Ringe-Spiel auf den Markt: Aragorn’s Quest. Das besondere an dem Action Adventure ist, dass es sich zum einen nicht um eine Umsetzung von ea, sondern von Headstrong Games handelt und zum anderen eines der ersten Spiele auf dem Markt sein wird, die für Playstation Move ausgelegt sind und zum spielen mindestens einen Move-Controller benötigen.

Dazu muss gesagt werden, dass Headstrong Games das Spiel eigentlich für die wii entwickelt hat und die PS3-Version als zusätzliche Plattform erst sehr viel später dazu gekommen ist.

Das ist dann wohl auch das Haupt-Problem, das das Spiel für PS3-Daddler haben wird: es fühlt sich an und sieht aus wie ein wii-Spiel.

Nun ist Headstrong Games ein Entwickler, der sich sehr gut mit Nintendo-Plattformen auskennt (haben schon für den Gamecube entwickelt), gern mal ungewöhnliche Wege geht und sehr kreative Projekte vorgelegt hat (zumindest einer der Entwickler war auch bei dem von uns so geschätzten House of Dead Overkill dabei!). Schon aus diesem Grunde würde ich Aragorn’s Quest auch zunächst einmal eine Chance geben.

Das Ende vom Anfang: Das Spiel beginnt nachdem der Herr der Ringe aufgehört hat, Frodo und Bilbo sind bei den Elben, Aragorn ist König und Sam mit vielen Kindern in Hobbingen. Als Aragorn das Auenland besucht können Sams Kinder es gar nicht fassen, dass der König ihren Vater so herzlich begrüsst und wollen die Gründe dafür von Sam wissen. Dieser verspricht zu erzählen wie es dazu kam und beginnt ihnen aus seinem roten Tagebuch vorzulesen…

Schon an der Einleitung kann man erkennen, dass Aragorn’s Quest eigentlich ein Spiel für Kinder ist (oder aber für Casual-Gamer). Der Ansatz die Geschichte so aufzudröseln ist dabei sehr schlau, denn er liefert viele Entschuldigungen für das Gameplay und die Umsetzung. So ist die Optik im Gegensatz zu den Spielen von ea bilderbuchartig, sprich einfach gehalten, was grundsätzlich aber ganz hübsch ist. Da Sam die Geschichte für seine Kinder spannend halten will und seine eigene Rolle dabei gern etwas exponiert wird hier und da auch der Lauf der Geschichte angepasst, was wiederum dem Gameplay zugute kommt.

Man selber beginnt das Spiel in Hobbingen im Trainingsmodus und steuert zunächst eins von Sams Kindern, das „König Aragorn“ spielt. So kann die Steuerung und die Grundprinzipien des Spiels schnell gelernt werden. Im Laufe des Spiels kann man immer wieder auf den kleinen Hobbitjungen im Auenland zurückgreifen um kleine Mini-Games zu absolvieren.

Danach werden die wichtigsten Stationen des Herrn der Ringe, die Aragorn beinhalten als Level angeboten, wobei es immer einen Wechsel von sehr linearen Abschnitten, z.B. Moria und Open-World Abschnitten (z.B. Rivendell) gibt. Das Spiel gestaltet sich in der Missions-Struktur allerdings immer eher linear (laufe von A nach B nach C), die Main-Quests können direkt nacheinander abgespielt werden und werden von recht zahlreichen Nebenmissionen flankiert (um die „Core-Gamer“ unter den Kindern bei Laune zu halten).

Die Steuerung ist sehr simpel und intuitiv, gibt aber für ambitioniertere Spieler nicht viel mehr her als rumlaufen, hauen und stechen.

Alles in allem macht Aragorn’s Quest einen gemischten Eindruck. Aus PS3 Sicht ist der Titel zunächst einmal eine Enttäuschung. Es wirkt wie es ist: eine direkte Umsetzung eines wii-Spieles. Die Optik mag zwar etwas aufpoliert sein, wirkt aber immer noch wii-mässig. Angefangen bei den Stokel-Animationen der Charaktere bis hin zu dem klobig wirkenden Gelände-Design. Die Steuerung auf dem Move-Controller ist absolut mit der wii-Steuerung zu vergleichen, was total Schade ist, da ich viel mehr erwartet hatte. Die Entwickler mussten die Möglichkeiten auf der PS3 sogar einschränken, da der Controller zu präzise ist. Im Endeffekt kann man beim Spielen auf dem Sofa liegen und mit dem Handgelenk zucken, wozu dann ein Motion-Controller notwendig ist (ohne kann man das Spiel übrigens nicht spielen, es wird mindestens einer benötigt, ob man dann das Nunchuck, oder wie auch immer hes heisst, dazu nimmt, oder aber einen DualShock ist egal), sei mal dahin gestellt. Er leuchtet wahrscheinlich so schön.

Das alles ist zunächst einmal ein gehöriger Dämpfer und ich weiss nicht ob man sich einen Gefallen damit tut eines der ersten Move-Games zu sein und dann aber lediglich eine wii-Kopie abzuliefern. Wäre mehr Zeit gewesen hätte man in der Optik-Umsetzung viel mehr reissen müssen. Im Gegensatz zu den Benchmarks von Rockstar kommen einem die Weiten von Rohan sehr ausgestorben vor. Die paar herumflatternden Krähen können eben nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich weder das Wetter ändert, noch die Sonne sich bewegt.

Auf der anderen Seite heisst das aber nicht automatisch, dass das Spiel auch scheisse ist. Vielleicht muss so viel Chi-chi auch nicht sein? Es muss beachtet werden, dass sich das Spiel vorrangig an Casual Gamer, oder aber jüngere Spieler richtet und definitiv kein Open-World-Monster-Explorer-Action-Titel sein will. Die Spieldauer wird zwischen 8 und 30 Stunden liegen, je nachdem wie viele Neben-Missionen gespielt werden.

Erfahrenere Spieler könnten auf dem letzten der drei Schwierigkeits-Stufen und durch Erfüllung der zahlreichen Side-Quests ihren Spass haben. Um das abschätzen zu können müsste ich das Spiel länger spielen, das konnte ich bisher leider nicht.

Für das Spiel spricht eine grundsätzlich schöne Herangehensweise an das Thema, dazu kommt die Lizenz, die das ganze mit der bekannten Musik und original Sprechern (zumindest zwei haben noch extra das Spiel vertont, andere Dialoge sind dem Film entnommen). Zudem kann es sein, dass das Spiel mehr Tiefe hat als auf den ersten Blick erkennbar. Nicht zu vergessen wäre noch ein Koop-Modus der im ersten Anspielen recht ansprechend daherkommt.

Man kann als zweiter Spieler in der Haut von Gandalf nämlich jederzeit in das Spiel ein und aussteigen. Das ist einer der Momente, wo die Story des Spieles die originale Handlung ignoriert und die Zusammenstellung der begleitenden Gefährten ändert. In den Leveln verteilt gibt es kleine Extras, die nur für den Koop-Modus gedacht sind.

Alles in allem sollte man sich Aragorn’s Quest also nur besorgen, wenn man etwas für den Sonntag möchte, oder aber etwas braucht um seine anfängliche Move-Gier zu befriedigen. Für wii-Fans ist der Titel wahrscheinlich Pflicht, da es der erste Herr der Ringe Ableger für die Nintendo-Konsole ist und zumindest hier den gängigen Standards entspricht.

Die Entwickler haben übrigens versprochen noch weitere Titel für die PS3 nachzulegen und die Möglichkeiten der Move-Steuerung zu pushen. Vielleicht ist dann auch was für Erwachsene dabei.

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