Geisel

Ende März erscheint bei Reprodukt der neue Comic „Geisel“ von Guy Delisle (hier das Künstlerporträit auf Reprodukt.com), der in Deutschland vor allem durch seine Comics „Pjöngjang“ und „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ bekannt sein dürfte.

In der neuen Geschichte wird die Geiselhaft von Christophe André erzählt, einem Mitarbeiten der NGO „Ärzte ohne Grenzen“, der 1997 in Tschetschenien entführt worden ist und 111 Tage in Gefangenschaft ausharren musste.

(Bild via guydelisle.com)

Der Comic ist auf viele Weise beeindruckend. Zum einem ist er die optische Umsetzung realer Vorkommnisse, die Chrisophe André dem Zeichner Delisle in einer Reihe von Gesprächen geschildert hat.

Neben der skurrilen Situation in die Christophe von jetzt auf gleich hinein gerät, seinem Aushalten und Hadern der ungewohnten Umstände, wird automatisch ein Teil der alltäglichen gesellschaftlichen und politischen Situation Tschetscheniens um die Jahrhundertwende gezeigt, und das ohne viel Worte.

Zum anderen ist die Umsetzung als Comic unfassbar gut. Die Geschichte ist still erzählt. Delisle beschreibt fast neutral. Aber gerade diese Unaufgeregtheit berührt, fesselt, bedrückt, spiegelt Christophes Gedankenwelt und Ängste wieder, lässt manchmal sogar Komik zu.

Absoluter Hammer.
Über 400 Seiten, broschiert, ca 30 Euro bei Reprodukt.

Recycling Animations

Disney nutzte in ihren Filmen bestimmte Key-Animation öfters um Zeit, Arbeit und Geld zu sparen. Dabei wurden die neuen Charaktere sprichwörtlich über die alten Animationen gezeichnet. Wie gut das funktioniert und vor allem wie oft diese Technik angewandt worden ist zeigt diese wunderhübsche Collage von Movie Munchies.

 

The Witcher – Buch, Spiel und Film

(Cover via https://en.wikipedia.org/ )

Durch Zufall bin ich neulich auf meinem Dachboden auf die Kurzgeschichtensammlung „The Last Wish“ des polnischen Autors Andrzey Sapkowski gestoßen. Als ich las, dass es sich um die Geschichten des Hexers „Geralt z Rivii“ handelt wurde ich insofern neugierig, als dass es sich dabei um die Figur aus den Videospielen der „Witcher“-Reihe von CD Projekt Red (cdprojektred.com) handelt und wollte das Buch gerade als billigen Buch-zu-Spiel-Abklatsch abtun, wäre ich nicht über das Datum der Erstveröffentlichung gestolpert:

1993.

Die der Sammlung namensgebende Kurzgeschichte wurde sogar 1986 in einer Zeitschrift veröffentlicht. Sowohl 1986, als auch 1993 gab es noch keine Playstation, das erste „Witcher“-Spiel erschien 2007 auf Windows. Ich wusste einfach bisher nicht, dass die Spiele-Reihe auf einer polnischen Buchvorlage beruht! Im Nachhinein erklärt das natürlich die Tiefe der Geschichte, Dichte der Welt und die dadurch entstehende Immersion und Faszination, die die Spiele bieten.

Nun habe ich das erste Buch, der mittlerweile vielen Bücher in der Reihe von Sapkowski, wieder gelesen (stecke aktuell im zweiten) und war überrascht wie unglaublich gut ich die Geschichten finde! Düstere Fantasywelt, ironischer, leicht verbitterter Hauptcharakter, tolle Dialoge und Szenen, guter Schreibstil, viele interessante und vielschichtige Charaktere (sehr vertraute im übrigen)… Krass, das ich das alles vergessen habe!

Zudem wurde mir auch klar, wie gut die Spiele von CD Projekt Red diese Geschichten adaptieren! Und ich stellte mir sofort die Frage warum es davon noch keine Filmadaption gibt. Auch dort habe ich mich geirrt, denn es gibt welche, mehrere Kurzfilme, einen Kinofilm und eine TV-Serie. Die allerdings alle eher schlechte Kritiken und von Andrzey Sapkowski selber, eher vernichtende Kritiken bekommen habe. Dazu muss man sagen, dass Sapkowski sich generell sehr übellaunig gegenüber jeder Medien-Adaption seiner Geschichten äussert.

Nun allerdings gibt es seit 2015 ein Filmprojekt des „Die Mumie„- Produzenten Sean Daniel, eine Nachricht die mich auch erst hat zweifeln lassen, da die „Mumien-Filme“ nicht sooooo super waren (ja,  es geht schlechter) und ich mich vor einer schlechten Hollywood-Umsetzung des Stoffes fürchte. Aber als ich las, dass der polnischen Regisseurs Tomek Baginski an dem Film arbeitet wurde ich hellhörig. Baginski hat nicht nur BAFTA und Oscar-Auszeichnungen, sondern auch einige der cineastischen Cut-Scenes und Trailer zu den Witcher-Spielen gemacht, die ja zum Teil beeindruckend gut waren! Zudem soll wohl in Polen gedreht werden, was auch bedeutet, dass polnische Filmproduktionen involviert sind.

Nun fügt sich also langsam ein Puzzlebild zusammen, dass mir – neben den Büchern, die ich noch zu lesen habe – Vorfreude und Hoffnung auf eine filmische Umsetzung von „The Witcher“ macht. Leider gibt es noch nicht viel Informationen zu dem Film, ein wenig mehr dazu via gamepressure.com