The Will Of The Wisps

Die E3 war definitiv die größte und maßloseste Videospiel-Übertreibung seit William Higinbotham 1958 »Tennis for two« auf seinem kleinen Oszilloskop entwickelt hat. Würde ich die Messe als Wettbewerb betrachten: Nintendo wäre mein Sieger.
#samusreturns #yoshi #kirby #oddyssey

Aber ich will trotzdem nur ein einziges Video verlinken. Wow.

Summon Thy Scyth

»Long ago, the lands were untaimed and roamed by legendary adventurers.«

Einer von diesen Abenteurern bin ich. Und ich schulde meinem nyck schon seit dem 3. Februar vergangenen Jahres einen kleinen Bericht darüber! Den zweiten DLC von Shovel Knight nutze ich jetzt dafür. Immerhin bin ich ein

zertizifiert

Specter Of Torment war für 3DS-Nutzer in Europa als letzte aller Versionen fertig, alle anderen Konsoleros und auch alle anderen Regionen durften also eher spielen als ich. Aber die Fans von Shovel Knight sind sehr geduldig und dankbar, schließlich bekommen wir seit Jahren hervorragende Inhalte geliefert, obwohl wir nur ein einziges Mal bezahlt haben! Es gab nicht den üblichen Shitstorm, während die Veröffentlichung wieder und wieder verschoben wurde. Stattdessen blieben alle ruhig und vorfreudig, denn wir wussten: Es würde sich lohnen. »Nehmt Euch so viel Zeit, wie Ihr braucht! <3« war da zu lesen, oder »Wird noch Geld benötigt? Ich zahle alles!« (Das fühlt sich wie eine wohltuende, erfreuliche Seltenheit im Internet an.)

Dann, eines Nachts, stand der Download bereit – seitdem spiele ich.

Was das Maß an neuen Inhalten betrifft, überbot der erste DLC, Plague Of Shadows, bereits jede AAA-Fortsetzung. In Zeiten, in denen Ubisoft, EA und Activision Jahr für Jahr eine unfertige, »neue« Version ihrer schwerfälligen Zugpferde für 70 Euro in den Markt schmeißen, (die sich abgesehen von einer anderen Menüführung meist kaum merklich von ihren Vorgängern unterscheiden) kommt Yacht Club Games daher und macht alles richtig. Ein Studio, das weniger Geld verdient, als es eigentlich sollte – normalerweise ist das umgekehrt. Es gibt ein Level im Spiel, die »Hall Of Champions«, ein »living monument to the founders of this great land«. Eine Burg, die von Geistern besetzt und in Dunkelheit gehüllt wurde. Um die Burg betreten zu dürfen, muss man vorher 5000 Goldstücke bezahlen. Besiegt man die Geister, werden nach und nach Portraits und Gemälde von den wichtigsten Personen der Kickstarter-Kampagne sichtbar, die Shovel Knight ermöglicht haben. Ist der letzte Geist vertrieben, entschuldigt sich der Torwächter, er hätte uns ja gar nicht darauf hingewiesen, dass die Burg verflucht sei, aber dieses Risiko müsse man eben eingehen, wenn man für etwas im Voraus zahlt, ohne die Details zu kennen. Wow.

Loopiloop

Nun aber zu Specter Of Torment. Ich schlüpfe in die Haut (oder besser gesagt in die Knochen) des untoten Sensen-Ritters Specter Knight, einem Mitglied der »Order Of No Quarter«. Er ist es, der von der bösen Enchantress erpresst wurde und die neutralen Ritter des Landes vor dem Einschreiten durch Shovel Knight davon überzeugen musste, dem Orden beizutreten – wir spielen also ein Prequel zum Originalspiel.

plains

Aber anders als noch im ersten DLC ist das hier ein vollkommen neues Abenteuer geworden, alle Level sind auf beeindruckende Art und Weise umgebaut (und umgefärbt) worden, um sie den Fertigkeiten der neuen Spielfigur anzupassen. Specter Kight beherrscht den unter Plattformern beliebten »Wall Jump« und kann sich per »Dash Slash« mithilfe seiner Sense diagonal durch die Luft katapultieren, eine sehr interessante und wundervoll dynamische Spielmechanik. Wir haben es hier wieder mit einem Meisterwerk der Plattformerei zu tun, das einen angemessenen Schwierigkeitsgrad bereit hält, dabei durch seine bemerkenswert präzise Steuerung aber niemals frustriert. Für den Abenteurer sind wie gewohnt eine kleine Handvoll Rollenspiel-Elemente über das Spiel verteilt worden. Eine ganz besonders schöne Idee sind die kurzen, nach jeweils drei Leveln auftauchenden, entsättigten Episoden, in denen man selbst die Vorgeschichte von Specter Knight spielt.

Donovan

Selbst die fabelhafte Musik wurde für das neue Abeuteuer aktualisiert, die musikalischen Themen der einzelnen Level wurden teilweise beibehalten, allerdings in eine Parallel-Tonart gehoben, und allerspätestens jetzt gehen mir allmählich die Superlative aus. Wie geil sind DIE denn? Ich habe NICHTS dafür bezahlt! Und da gibt es keine einzige Werbe-Einblendung, es gibt kein In-Game-Purchase-Scheiß, keine Quer-Verweise, nix! Es ist ein vollwärtiges, perfektes Spiel. Plattformer-Glück. Shovel-Love. Nyck tanzt den rituellen (und zertizifierten) Apfisch-Walzer.

Hurra. Ich geh’ spielen.

Hope

Da saßen wir also. Vier Nerds im Kino, kurz nach Weihnachten, verrotzt und derart vollgestopft mit Pop-Kultur-Emotionen, dass es uns allen die Sprache verschlug. Etwa eine Stunde, bevor unsere Vorstellung begann, verstarb Carrie Fisher. Ich war der einzige der vier Nerds, der bereits wusste: Dieses Ereignis kommt zu einer schrecklich perfekten Zeit.

Jyn

Die Repro-Version (letzter Status) des ROUGE-ONE-BEITRAGES ist keine Filmkritik, kein »Review«, er ist viel eher zu einem Liebesbrief an eine weit entfernte Galaxie vor langer, langer Zeit geworden. Ich fasse mich kurz. Der letzte Auftritt von Darth Vader in ROGUE ONE war der Moment, der mir den Begriff der »Traumfabrik« ins Gedächtnis rief. Ich habe mich gefragt: Wie ist es denn bloß möglich, dass so eine Figur einen solch wahnwitzigen Bekanntheitsgrad erreichen konnte? Dieser völlig übertriebene Antagonist mit Plastik-Tupper vor der Leder-Brust, einer Totenkopf-Asthma-Maske und Strangulier-Zauberkräften? Hä? Er war der erste Charakter, den George Lucas für seine Welt entwickelte. George besuchte die Premiere von A NEW HOPE nicht einmal, sondern fuhr stattdessen mit Spielberg nach Hawaii in den Urlaub, so sicher war er sich, dass der Film floppen würde. Joa… Das war wohl ein Irrtum.

Jetzt, 40 Jahre und siebenhundertachtzigbilliarden Dollar später taucht Vader in Film Nummer 8 auf, ganz am Ende, und die gesamte Kino-Welt stöhnt vor Ehrfurcht. Das letzte Drittel von ROGUE ONE ist ein Geschenk. Es ist die perfekte, Film-gewordene Wunscherfüllung des kleinen Tippi-Jungen, der über drei Jahrzehnte hinweg seinen Wunschzettel schrieb. Ich liebe es so doll. Ich liebe John Williams so doll. Erinnert Ihr Euch an die Szene in Pixars RATATOUILLE, als der strenge und freudlose Restaurant-Kritiker Anton Ego das Ratatouille kostet und sein Gemüt darauf hin »im Kern erschüttert« wird? Der Geschmack der Mahlzeit katapultiert ihn zurück in seine Kindheit, in eine Zeit, in der es praktisch keine Sorgen gab, und wenn doch, dann konnten sie mit diesem Essen einfach weggefegt werden. Ganz genau so konnte ein STAR-WARS-FILM meine Probleme wegfegen. Wieder und wieder. Warum ich den Film liebe? Weil er mir genau dieses Gefühl gibt. Meine Wahrnehmung ist konditioniert. Eine Rebellenflotte, die den Hyperraum verlässt und über dem Schildgenerator eine gepflegte Bambule anzettelt macht mich einfach wunschlos glücklich.

Und ich glaube, das wird sie mein Leben lang tun. <3