Das Leben ist ein Independent-Film

Anfang des Jahres erschien auf den Konsolen das in Episoden erzählte Story-Adventure „Life is strange„, das mich zur Zeit total begeistert.

Das Spiel erzählt die Geschichte von Max, einer jungen Teenagerin, die an ihre ehemalige Highschool in Oregon zurückkehrt. Dort entdeckt sie eine besondere Begabung: Max ist in der Lage die Zeit zu manipulieren, sie kann die Zeit zurück drehen. Doch noch während sie versucht ihre neue Fähigkeit zu verstehen wird sie vom Alltag der Schule verschluckt und mit etlichen sozialen Problemen des Erwachsenwerdens konfrontiert.

So trifft sie auf ihre alte Busenfreundin Chloe, die nach dem Tod ihres Vaters zur Rebellin und Unruhestifterin geworden ist, muss sich gegen die fiese Victoria zur Wehr setzen, die mit ihrem Hofstaat von It-Girls andere Mitschüler drangsaliert und sich mit Lehrern, dem Schulleiter, dem Sicherheitsbeamten und dem Hausmeister auseinandersetzen.

Über allem hängen zudem das rätselhafte Verschwinden einer Mitschülerin und Maxs alptraumhafte Visionen eines Tornado, der die Stadt vernichtet. Das alles wird zu einer fesselnden Geschichte verstrickt.

Life is strange“ lebt von einer dichten Atmosphäre und der ruhigen und liebevoll detaillierten Präsentation (wundervoller Soundtrack, unter anderem mit Syd Matters und Jose Gonzales!). Es wird sich viel Zeit für die Inszenierung gelassen, zunächst oberflächlich erscheinende Charaktere entwickeln überraschenden Tiefgang und offenbaren Konflikte. Zudem haben die Entscheidungen und Beziehungen von Max Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Oft sind es Kleinigkeiten, die plötzlich überraschende Wendungen bringen.

Dabei kann Max durch das Rückspulen der Zeit Entscheidungen durchaus korrigieren, oder geschehene Dinge verhindern. Doch oft weiss man als Spieler nicht welche Wahl die nun eigentlich bessere ist, da sich die Konsequenzen alle als nicht vorteilhaft darstellen.

Oder es geht eher darum das Bild zu formen, welches sich die anderen Personen von Max machen und dementsprechend auf sie reagieren. Wenn Max beispielsweise für ihre Freundin eintritt und gegenüber deren Vater den gemeinsam gerauchten Joint als den eigenen bezeichnet, so wird dieser Vater weit später im Spiel Max als Junkie und Drogendealerin hinstellen und somit ihre Glaubwürdigkeit untergraben. Bei ihrer Freundin Chloe hat Max fortan aber einen Vertrauensvorschuss.

Mich hat das Spiel gepackt, die Story entwickelt einen erstaunlichen Sog, vergleichbar mit einer guten TV-Serie. Zudem bin ich begeistert, dass es in all dem „Blockbustergekrache“ aktueller Titel möglich ist so eine stille und nachdenkliche Produktion zu platzieren. Könnte ein Spiel des Jahres werden.

Das Spiel kommt in 5 Episoden, alle sechs Wochen erscheint ein neuer Teil (aktuell sind bereits zwei erschienen). Entwickelt wurde es von der kleinen Spieleschmiede Dontnod, Publisher ist Square Enix.

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