Die Schlacht der fünf Heere

Ich war heute im Kino und konnte mir den langersehnten dritten Teil des Hobbits geben. Eigentlich ist der Film genauso wie der jährliche rotke-Aufenthalt im Teufelsmoor: eine Gruppe lustiger Gesellen schließt sich ein paar Tage ein und wenn die Truppe wieder rauskommt tobt rundherum das Chaos. Zwischendrin wird einer krank, betrogen, geliebt, es wird gestritten, gekämpft, gelacht und gesungen eine Menge Fleisch gegrillt.

Der nette Nachbar von Nebenan schaut auch noch einmal vorbei und bringt die Familie mit, genauso wie der Mann mit dem Katschunk-Gerät und der Onkel aus den Bergen (mit Schwein und Geißbock). Mein Fazit ist: das macht einen Höllenspaß, auch wenn es maßlos übertrieben ist. Aber so steht es eben geschrieben, nicht Wort für Wort, aber schon Satz für Satz. Und dazwischen muss man eben improvisieren. Das wiederum können nicht nur Tippolone, Birdie, Tokyo, Gambogambit und Ruuuudi – sondern natürlich auch der Peter.

Und irgendwer sollte mal in Gondor Bescheid geben…

„That my lad, was a dragon“

Mit gemischten Gefühlen bin ich heute aus dem Kino gestolpert, nachdem mich Peter Jackson etwa drei Stunden lang mit Zwergen und Spinnen und Orks und Elben und Drachen vollgeballert hat.

In Anbetracht vieler Spoiler möchte ich jedem, der den Film zunächst unvoreingenommen sehen möchte hier empfehlen das Lesen einzustellen und nach Filmgenuss wieder einzusteigen.

Desolation of Smaug hat mich irgendwo zwischen enttäuscht und verwirrt entlassen. Vielleicht hatte ich durch den ersten Film auch nur etwas anderes erwartet und muss diese Erwartungen erst einmal an das Gesehene anpassen. Der Film ist beileibe nicht schlecht, er hat großartige Szenen, unglaubliche Schauplätze, tolle Charaktere, atemberaubende Action und Spannung und… und… und einen fantastischen, wenn nicht den fantastischsten Drachen aller Zeiten.

Lasst die Desolation beginnen, ein Walk-Through:
Am Beginn des Films schlüpft die Kompanie bei Beorn unter, der als mürrischer, grantiger und gefährlicher Gestaltenwandler spannend umgesetzt ist. Jacksons Beorn ist nicht der nette, lustige und hilfsbereite Vollbartholzfäller, sondern ein Werbär, der dem Zwergentrupp lediglich hilft, weil er Orks noch mehr verabscheut als habgierige Zwerge. Hat mir sehr gefallen, aber Beorn kommt zu kurz. Naja, der taucht im dritten Teil ja bestimmt noch einmal auf.

Danach geht es in den Düsterwald, wo sich die Truppe schnell verirrt und von den Spinnen überwältigt wird. Die Spinnen sind super! Nur offenbart sich hier das erste Mal eine Ringproblematik: sobald Bilbo den Ring aufsetzt entschwindet er in eine Grauschleier-Welt. Sprich die ersten schönen Kampfszenen erleben wir in rauschendem Geistergrau. Um sich dem zu entziehen rückt Jackson den Ring und seine besitzergreifende Eigenschaft aus dem „Herrn der Ringe“ in den Fokus. Bilbo nimmt den Ring vor den Augen einer Spinne ab („Hier bin ich!“) damit er diesen verlieren und im Kampf gegen einen Riesentausendfüßler(?) wieder erkämpfen kann („Meins!“). Öhm. Naja. Am Ende kommen die Elben widerwillig zur Rettung. Warum eigentlich?

In diesem Düsterwald-Tohuwabohu habe ich schmerzlich das Spottlied vermisst und auch die Lichterfeste der Elben fehlen mir. So werden die Waldelben lediglich als behände Kampfmaschinen eingeführt, jeglicher verträumter Zauber, Lachen, Gesang fehlt völlig. Dafür ist der Elbenkönig wie aus einem Shakespeare-Stück und eine kleine Wiedergutmachung. Aber leider kommt die Elbenstadt ebenso kaltherzig und schmucklos ‚rüber wie ihr Gebieter und wir erleben zu viele Szenen nur im Grauschleier, denn Bilbo trägt ja seinen Ring. Völlig überflüssig ist Legolas Sidekick Ninja-Tauriel, die sich in Kili verliebt und vice versa(?)… der erste WTF-Moment.

Bolgs Orcs — ja es gibt neben Azok auch plötzlich Bolg — verfolgen die Zwerge bis in die Seestadt Esgaroth, wo sie des Nachts letztendlich von Tauriel und Legolas vertrieben werden (auf leeren Straßen, weil die Wachen alle… schlafen?). Immerhin liefern sich Elben, Orcs und Zwerge eine schöne Verfolgungsjagd über Bäume, Fässer und Felsen hinweg.

Die Seestadt ist sehr schön und ein wahnsinniges Set (das haben die alles gebaut!), Stephen Fry als Lord of the Laketown ein Highlight.

Parallel dazu untersucht Gandalf die Festung Dol Guldur und begegnet dort Sauron, der in der Gestalt eines Nekromanten seine Kräfte sammelt und ein Ork-Heer aufbaut, das später Richtung Seestadt zieht. Nicht weil sie den Schatz von Erebor haben wollen, sondern weil… weil… keine Ahnung. Wahrscheinlich weil sie ganz Mittelerde unterwerfen wollen, mit ein paar Orks und Wargen und einem halberstarkten Sauron. Was das mit der Geschichte zu tun hat weiß ich nicht, klärt sich vielleicht im dritten Teil?

Thorins Trupp teilt sich auf und marschiert zum Berg, Bilbo findet die Tür, schleicht in die Schatzkammer und weckt Smaug. Smaug – Aaaaah! Ein absolutes Highlight. Verständlich, dass Jackson den auch gerne laaaaaaange im Film behalten will. Allerdings auch hier, wie schon bei den Spinnen die Problematik Szenen darzustellen in denen einer von beiden Charakteren unsichtbar ist. Smaug gibt es also erst einmal nur im verwischten Grauschleier…

Aber zum Glück haben wir ja noch über eine halbe Stunde Zeit. Nach dem schönen Wortgefecht lässt Jackson Smaug gen Seestadt fortfliegen, aber nicht bevor Thorin versuchen darf dem Drachen den Garaus zu machen. Und während dieses Kampfes stellt sich der Drache des öfteren so erbärmlich dämlich an, nur um am Ende… aufzugeben und abzuhauen? Hallo?! Kann der eigentlich nur alle zehn Minuten Feuer spucken? Und warum schmilzt nicht auch das Gold im Drachenfeuer? Und was soll dieser Schoko-Weihnachtsmann?!

Am Ende
Es gibt sehr viel an dem Film das mich begeistert und mir Freude gemacht hat. Bei vielen Einstellungen kann ich mir nicht erklären wie es überhaupt möglich ist sich so etwas auszudenken und umzusetzen. Jackson versucht oft seine Filme als Prequel zum Herrn der Ringe zu installieren. Und er nimmt sich viel Freiheiten um die Geschichte zum Teil komplett abzuwandeln. Das finde ich sehr schade, denn die ursprüngliche Erzählung hätte mir oft eher gefallen. So kommen die epischen Momente und Erzählpausen zu kurz und werden durch Kampfgetümmel ersetzt. Das gibt dem Film zwar ordentliches Tempo, lässt ihn aber auch verflachen.

Mit dem „Hobbit“ hat das Ganze nicht mehr viel zu tun. Ich weiß noch nicht genau was es ist, vielleicht ja das Gehetze durch die Schauplätze. Von dem wunderbaren atmosphärischen ersten Teil bleibt nicht mehr viel übrig. Und auch der entfernte sich von der Buch-Vorlage, aber vielleicht nicht so stark, und vielleicht war eine ausgeschmückte Verfolgungsjagd in den Gängen von Moria einfach vertretbarer.

„Desolation of Smaug“ ist eben nicht nur eine Interpretation, oder Inszenierung des „Hobbit“. Der Film erzählt vieles in der Geschichte einfach völlig anders. Was ich per se nicht verteufeln möchte und absolut legitim finde. Dennoch muß man in den betreffenden Szenen nach dem Grund fragen: warum erzählt Jackson das jetzt so? Und macht er die Geschichte oder die Verfilmung dieser Geschichte dadurch besser? In vielen Fällen muss ich letzteres leider verneinen.

Den Tolkinologen in mir macht das sehr traurig. Es hilft nur abzuwarten, schließlich ist das Abenteuer noch nicht vorbei und man sollte nachher noch einmal auf das Gesamtwerk schauen. Also warte ich erst einmal auf die Bluray und dann den dritten Teil.

LOTR Project

LOFTRP

Gerade bin ich über das LOTR Project de Göteborger Studenten Emil Johansson gestolpert.

Emil analysiert alle Werke von J.R.R. Tolkien, die sich mit dem Thema Mittelerde beschäftigen und ordnet diese in Graphen, Statistiken, Karten, Tabellen und wasweißichnochalles. Eine Zusammenfassung seiner Arbeit findet ihr auf der Website lotrproject.com, oder in der famosen Android-App.

Das Projekt ist selbstredend nichtkommerziell, sondern hat ausschließlich einen Nerd-Hintergrund.

Hier ein paar Beispiel-Ausschnitte aus den Statistiken:

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Unter anderem gibt es auch eine interaktive Karte, auf denen alle Orte gekennzeichnet sind, einen Zeitstrahl der gesamten Geschichte (vom Silmarillion angefangen) plus relevanten Kartenausschnitt gibt es noch einmal Extra.

Sehr schön ist auch ein kompletter Stammbaum aller auftretenden Figuren (soweit möglich) der Werke von Tolkien.

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Letztes Jahr hielt Emil Johansson einen TED-Vortrag zu seinem Projekt. Kernthema war die Realisierung solcher Geek-Projekte wie dem LOTRProject:

Eine nicht unerwartete Reise

martin freeman as hobbit

Kurz und knapp: Kuckt ihn euch an. Er ist so gut wie man denkt, so gut wie eben möglich. Ich wüsste nicht wie es besser gehen soll.

Und ich will den nächsten Teil sehen. Und zwar sofort.

Die drei Stunden vergehen wie im Fluge. Eine der überzeugensten Dinge des Hobbits aber ist, dass man sich sofort, von der ersten Sekunde an Zuhause fühlt. Zuhause in Mittelerde bei den altbekannten und neuen Gesichtern.

Martin Freeman als Bilbo ist Idealbesetzung, die Zwerge mit viel Pathos, ein durchmischter, chaotischer und liebenswerter Haufen. Radagast, trotz einiger Slapstickmomente, ein verschrobener, verwachsener Waldzauberer.

Der Film beginnt mit einer kurzen Rückschau, ein kurzer Prologue, erzählt von Ian Holmes als Bilbo, der sein Buch beginnt. Frodo taucht kurz auf und dann folgen atemberaubende Sequenzen von Erebor, Zwergen, Orks und Smaug. Und schon ist man mittendrin gefangen.

Obwohl ich mich darauf vorbereitet hatte, habe ich überhaupt keine Probleme mit den 48fps. Um ehrlich zu sein habe ich die nicht gemerkt, wohl aber ein gelungenen Einsatz der 3D Technik und eine höchst immersive Geschichte.

Es ist einfach nur schön diese ganzen Bilder zu sehen, die seit meiner Kindheit in meinem Kopf herum schwirren und diese mit denen von Peter Jackson zu vergleichen.

Viele Änderungen in der Geschichte (ja, Jackson hat am Ablauf einiges durcheinandergewirbelt) erklären sich mit Umsetzungen einer erzählten, geschriebenen Geschichte in die Realität. Wie genau springt Bilbo über Gollum und warum zaubert Gandalf eigentlich nicht, wenn die Orks die in den Bäumen hängenden Hobbits angreifen.

Einige sind auch der Einführung „Nichtwissender“ Zuschauer geschuldet (Ja, der „Herr der Ringe“ ist auch schon etwas her), aber diese Änderungen sind alle absolut verschmerzbar und gut gelöst.

Es werden ein paar Grundlagen für die „Herr der Ringe“ Trilogie gelegt, die im Hobbit nur gestreift werden: Sarumans Skeptik Gandalf gegenüber, oder die erneute Auferstehung Saurons etwa.

Der „Hobbit“ ist wesentliche humoriger als „Der Herr der Ringe“, Zwerge sind skurrile Kerle mit etwas eigensinnigem Spaß. Und immer recht hungrig.

Kritik?
Der Film hat einige Längen, aber wer stört sich an zauberhaften Bildern und Kamerafahrten durch eine faszinierende Landschaft? Und zudem sollte man den „Hobbit – Eine unerwartete Reise“ nicht als einen einzelnen Kinofilm betrachten, sondern als ersten Teil einer 9 Stunden dauernden epischen Erzählung.

Der Goblinkönig war mir zu ungefährlich und eine Spur zu albern. Die Ankunft der Zwerge bei Bilbo hätte ich gerne in Original-Reihenfolge gehabt, es wäre doch schade wenn Gandalfs Trick mit der Kompanie bei noch Unbeteiligten peu á peu einzufallen um deren Hilfe zu ergaunern später bei Beorn nicht so funktioniert…

Wunderbar ist Andy Serkis‘ Gollum. Wie wäre das auch anders zu erwarten. Die Trolle sind super, auch wenn man sich diese ab und an noch etwas gefährlicher wünschen würde (aber Trolle sind nun mal selten dämlich). Galadriel ist ein Traum und ihre Sympathie für den alten Gaukler Gandalf herzerwärmend und auf eigene Art romantisch.

Trotz der Tatsache, dass dieser erste Film so voll gepackt ist mit Geschehnissen bleibt noch sehr viel zu erzählen. Darauf freue ich mich. Am Ende bleiben intensive Bilder und Momente dieser drei Stunden Abenteuer in Mittelerde zurück, der Wunsch einer baldigen Fortsetzung und eine große Erleichterung, dass es Peter Jackson ist, der diese Filme gedreht hat.